Sunday, August 24, 2014

Jürgen Todenhöfer

quelle für alle 3 bilder: das facebook-profil vom Jürgen Todenhöfer
JT auf facebook im november 2015 nach paris attentaten (parisshooting) vom 16.11.2015

Publizist und Friedensaktivist Jürgen Todenhöfer spricht klartext über ISIS, Kurdistan, Westen (usa, ...) ... und ja Jürgen Todenhöfer ist gerade im Nordirak an der ISIS-Kurden-front .... also wem wollen wir glauben: Todenhöfer oder mainstream medien? btw, es ist absolut horizonterweiternd, die berichterstattungen über syrien, ukraine, gaza / israel / palästina, usw .. also niX wie hin zur facebookseite von Jürgen Todenhöfer

... entnomen aus Jürgen Todenhöfers facebook-profil:

a) j. todenhöfer über die ISIS / kurden / irak, 23.08.2014

LIEBE CHAOS-STRATEGEN: HÖRT ENDLICH AUF, WAFFEN IN KRISENGEBIETE ZU SCHICKEN! 

Protokoll einer Reise in irakische Flüchtlings-Lager und an die IS-Front. 
Von meinem Sohn Frederic. Euer JT 

"Erbil. Wir fahren zu einem Lager mit 3000 sunnitischen und schiitischen Flüchtlingen aus Mosul. Welch ein Elend! Nur einmal am Tag gibt es Essen. Kaum Medikamente. Kinder haben schlimme Hautausschläge. Doch keiner klagt. Jeder versucht das Beste aus dem täglichen Leid zu machen.

Wir sehen Kinder, die mit einer alten Plastikflasche Fußball spielen. "Straßen-Fußball, am Ende der Welt", sagt mein Vater. Sekunden später ist er mitten im Getümmel und versucht die Flasche zu ergattern, um sie ein paar Meter weiter zu schießen. Immer mehr Kinder machen mit. Endlich spielt jemand mit ihnen. Auch noch ein Ausländer! Ich erzähle ein paar Jungs, dass wir aus Deutschland kommen! "Oh! Alman! Weltmeister!" Ich schlage ein, high five.

Wir brechen auf. Innerhalb weniger Sekunden kommen wir in einen Sandsturm, der immer dichter wird. Bis wir nichts mehr sehen. Alles mögliche fliegt gegen das Auto. Steine. Erdbrocken, Dosen, Äste, Sand, Müll! Es knallt und rappelt fast 5 Minuten lang. Wir gehen im Auto in Deckung. Ich habe Angst, dass unser Wagen umgeworfen wird, so stark ist der Sturm. Oder dass uns ein anderer Blindfahrer rammt. Es regnet in Strömen, aber das fällt bei all dem Schrott, Sand und Wind, die gegen das Auto schlagen, gar nicht auf. Auf einmal ist alles vorbei. Die Sicht wird klar, nur der Regen prasselt weiter. Die Windschutzscheibe ist zersplittert.

Nach dem Besuch eines zweiten Flüchtlingslagers mit hunderten Christen und Gesprächen über die chaotische Politik des Westens im Mittleren Osten machen wir uns auf den Weg zur IS-Front.

Sie soll 50 km von Erbil entfernt sein. Auf den Feldern neben der Landstraße befinden sich aufgeschüttete Erdwälle zur Verteidigung gegen Attacken von IS. Unser Fahrer rät uns ab, weiter zu fahren. IS sei immer noch in der Gegend. Es gäbe Sniper, besonders rechts der Straße....

Das Dorf, in das wir wollen, heißt Gwer und wurde angeblich vor einigen Tagen von den Peschmerga-Truppen zurückerobert. Unser Fahrer wird von Minute zu Minute ängstlicher. Doch die Soldaten des ersten Checkpoints winken uns durch. Das ist für meinen Vater entscheidend.

Trotzdem: Die Straße ist gespenstisch leer. Nur selten sehen wir einen Lastwagen. Unser Fahrer wird noch unruhiger und stellt jedem Soldaten, den er sieht, Fragen. Dürfen wir wirklich durch? Ist es nicht zu gefährlich? Warum sehen wir kaum noch Autos? Warum sind die Dörfer wie ausgestorben ? Wo sind die Sniper? Ich kann mir vorstellen, was ihm jetzt durch den Kopf geht. Immer wieder versucht er tief durchzuatmen, um seine Angst zu überwinden.

Mein Vater richtet sich nach den Soldaten an den Checkpoints. Und die sagen: Ihr kommt durch. Als wir allerdings kein einziges Fahrzeug mehr auf der Straße sehen, wird allen im Auto mulmig. Rechts von uns, weniger als einen km entfernt, ist IS. Wahrscheinlich sehen sie uns. Vielleicht halten sie uns ja für Gemüsehändler. Hoffentlich!

Plötzlich vor uns 2 kurdische Kämpfer. Sie berichten, dass sie IS mit Hilfe von US-Bombern vor ein paar Tagen "vertrieben" hätten. IS sei jetzt auf der anderen Seite der Brücke. Jenseits des großen Zab-Flusses. 1km entfernt.

Ein Auto mit kurdischen Kämpfern kommt angebraust. Am Steuer sitzt Mr. Cool, ein junger Kämpfer mit Tuch um den Kopf und goldener Sonnenbrille auf der Nase. Sie sind bereit, uns ihre Militär-Basis zu zeigen. Mein Vater steigt einfach zu ihnen ins Auto. Zwischen ihre Maschinenpistolen. Unser Fahrer und ich folgen ihm.....

Wir fahren einen Hügel hoch. Hier hat man eine gute Übersicht über Gwer, die Brücke und das von IS besetzte Dorf. Schnell versammelt sich die ganze Truppe. Begeistert schütteln sie unsere Hände. Hinter Backsteinen verschanzt, positionieren sich einige Kämpfer mit ihren Kalaschnikows und richten sie auf das Dorf am anderen Ufer des Flusses.

Mein Vater sagt offen, er finde es seltsam, dass die über 100.000 weltberühmten Peschmerga im Kampf gegen ein paar tausend IS-Kämpfer jetzt auf Hilfe der Amerikaner und Europäer hofften, und den Kampf nicht eigenständig führen wollten. Ein verlegenes Lächeln hier, ein Lächeln da... "Was sollen wir denn machen? Wir haben nur Kalaschnikows und kleine Waffen! Die anderen haben modernste Waffen."

"Außerdem haben wir keinen Befehl erhalten (!), sie zu vertreiben. Wenn unser Präsident uns den Befehl geben würde, sie aus Mosul zu vertreiben, würden wir keine Sekunde zögern, stolz und ohne Angst in den Kampf zu ziehen."

Sie zeigen uns das Dorf auf der anderen Seite des Flusses, in dem sich IS verschanzt hat. Nur der der große Zab, hier etwa 100 Meter breit, trennt uns von ihnen. IS verhalte sich momentan ruhig, angeblich um nicht weitere Luftschläge der Amerikaner zu provozieren.

Nach etwa einer Stunde verabschieden wir uns. Auf der anderen Seite des Flusses weht die schwarze Fahne von IS. Ich bin sicher, die sehen von dort alles.

ANALYSE

Die skeptische Haltung meines Vaters gegenüber Waffenlieferungen in das nordirakische Krisengebiet hat sich auch nach unserem Front-Besuch nicht geändert. Erst sei ISIS durch die massiven Waffenlieferungen des Westens und der Golfstaaten an die syrischen Rebellen stark gemacht worden- als Platzhirsch habe sich ISIS bei diesen frei bedienen können. Und jetzt solle ISIS mit westlichen Waffen gestoppt werden? Das hält er für politische Stümperei des Westens.

Außerdem: Die irakische Armee bestehe aus ca. 500.000 von den USA militärisch teilweise sehr gut ausgerüsteten Soldaten. Dazu kämen über 100.000 Peschmerga. Dass diese im Kampf gegen maximal 10.000 IS-Kämpfer wirklich westliche Waffenhilfe brauchten, sei schwer nachvollziehbar.

Viel wichtiger als diese 'humanitäre Herumbomberei des Westens im Mittleren Osten' sei eine faire Beteiligung der Sunniten am politischen Leben des Irak. Ein geeinter Irak müsse keinen Feind mehr fürchten. Die Beendigung der schlimmen Diskriminierung der Sunniten im Irak sei deshalb auch sicherheitspolitisch viel wichtiger als Waffenlieferungen an die Peschmerga. Die könnten IS sowieso nur auf ihrem eigenen Gebiet bekämpfen. Aber nicht in der Region Anbar, wo IS auch stark sei. Oder vor Bagdad. Oder in Syrien.

Ein ranghoher Vertreter der kurdischen Führung erklärte uns, dass nach der Flucht der irakischen Armee nicht nur IS, sondern auch die kurdischen Sicherheitskräfte riesige, teilweise modernste Waffen erbeutet hätten. Im Wert von 4 Milliarden Dollar. Uns verschlug es fast die Sprache, weil die westlichen Politiker darüber nie ein Wort verloren hatten.

Außerdem -so unser hochrangiger Gesprächspartner- könne Kurdistan als relativ wohlhabendes 'Land' jederzeit Waffen auf den internationalen Schwarzmärkten kaufen. Aber warum solle man, "wenn man die Waffen von den Europäern geschenkt bekomme".

Mein Vater hält daher die Entscheidung, Waffen in den Nordirak zu liefern, für "schlecht recherchiert und nicht zu Ende gedacht." Schon morgen könnten die deutschen Waffen in die Hände von IS gelangen. Genauso wie die amerikanischen Waffen, mit denen IS inzwischen große Teile Syriens und Iraks erobert hat."

Frederic Todenhöfer

b) j. todenhöfer, 02.02.2014 über frieden und krieg im offenen brief an bundespräsident joachim gauck:

Lieber Herr Bundespräsident,

Sie fordern, daß Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernimmt. Auch militärisch. Wissen Sie wirklich, wovon Sie reden? Ich bezweifle es und habe daher vier Vorschläge:

1. Ein Besuch im syrischen Aleppo oder in Homs. Damit Sie einmal persönlich erleben, was Krieg bedeutet.

2.Vier Wochen Patrouillenfahrt mit unseren Soldaten in afghanischen Kampfgebieten. Sie dürfen auch Ihre Kinder oder Enkel schicken.

3. Ein Besuch eines Krankenhauses in Pakistan, Somalia oder im Jemen – bei unschuldigen Opfern amerikanischer Drohnenangriffe.

4. Ein Besuch des deutschen Soldatenfriedhofes El Alamein in Ägypten. Dort liegen seit 70 Jahren 4800 deutsche Soldaten begraben. Manche waren erst 17. Kein Bundespräsident hat sie je besucht.

Nach unserem Grundgesetz haben Sie »dem Frieden zu dienen«. Angriffskriege sind nach Artikel 26 verfassungswidrig und strafbar. Krieg ist grundsätzlich nur zur Verteidigung zulässig. Sagen Sie jetzt nicht, unsere Sicherheit werde auch in Afrika verteidigt. So etwas Ähnliches hatten wir schon mal. 100.000 Afghanen haben diesen Unsinn mit dem Leben bezahlt.

Wie kommt es, daß ausgerechnet Sie als Bundespräsident nach all den Kriegstragödien unseres Landes schon wieder deutsche Militäreinsätze fordern? Es stimmt, wir müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Aber doch nicht für Kriege, sondern für den Frieden! Als ehrlicher Makler. Das sollte unsere Rolle sein. Und auch Ihre.

Ihr Jürgen Todenhöfer


PS: Mir ist ein Präsident lieber, der sich auf dem Oktoberfest von Freunden einladen lässt, als einer, der schon wieder deutsche Soldaten ins Feuer schicken will. Von seinem sicheren Büro aus. Fast bekomme ich Sehnsucht nach Wulff. Der wollte Menschen integrieren, nicht erschlagen.
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nachtrag 26.10.2014 (quelle: facebook-profil vom JT)

BLINDFLUG DES WESTENS
Liebe Freunde, ich lebe gerne im Westen. Erst recht in Deutschland, meiner Heimat. Doch zur Zeit läuft manches in die falsche Richtung.
-Der Rassismus nimmt zu. Vor allem gegen Muslime. Siehe NSU und brennende Moscheen! Oder die heutige Hooligan-Demo in Köln, bei der es in Wahrheit um die Vertreibung des Islam aus Deutschland geht.
-Politiker haben wieder richtig Lust auf Krieg. Gegen Schwächere natürlich. Vergessen ist, dass Krieg Terrorismus züchtet und als Bumerang zurückkommt.
-Wir liefern Waffen in Spannungs-und Kriegsgebiete im Mittleren Osten. An Unrechtsstaaten, die eine krass völkerrechtswidrige Politik betreiben und jetzt schon viel zu viele Waffen haben.
-Ein Recht auf 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit' gibt es nur für westliche Staaten. Und auch das nur in Ansätzen. Der Rest der Welt ist nicht frei und nicht gleich. Von Brüderlichkeit kann er nur träumen.
-Millionen sind auf der Flucht. Aus Ländern, die der Westen kolonisiert, bombardiert und ausgebeutet hat. Bis heute. Sie fliehen aus ihrer zerstörten Welt in die Welt der Zerstörer. Der Fluch der bösen Tat.
-Der Westen ist hoffnungslos verschuldet. Man erkauft sich Wahlsiege mit teuren Wahlgeschenken. Die Rechnung zahlen die nächsten Generationen. Wenn nicht alles schon vorher zusammenkracht.
-Es zählt nur der materielle Erfolg. Immaterielle Werte spielen kaum noch eine Rolle. Viele junge Menschen finden diese Gesellschaft 'sinnlos' und steigen aus. In linken, rechten, religiösen Extremismus.
-US-Firmen zahlen Mitarbeiterinnen 20.000 Dollar, wenn sie vorerst auf Nachwuchs verzichten und ihre Eizellen einfrieren lassen. Konzernfinanzierte Tiefkühlkinder. Fortschritt oder eiskalte Erpressung?
-Alte, kranke Menschen verarmen, vereinsamen, gelten als 'wertlos'. Politiker diskutieren nicht über aktive Lebenshilfe, sondern über 'aktive Sterbehilfe'. Vielleicht gibt's auch dafür eines Tages 20.000 Dollar.
-Selbst angesehene Medien beten die Lügen der Mächtigen nach. Als Kontrollorgan fallen sie aus. Selbstgleichschaltung! Auch deshalb schreibe ich hier meine Posts.
Meine Alternative? Lasst uns endlich das große Versprechen unserer Zivilisation realisieren: 'Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit'. Weltweit! Das sollte unser Lebensziel sein. Dann wäre das Leben im Westen noch schöner. Und in anderswo auch. Euer JT
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addendum 22.12.2014, nach der rückkehr aus ISIS
quelle hier
Liebe Freunde, nur langsam fällt der Stress der Reise in den 'Islamischen Staat' von uns ab. Mein Sohn Frederic hat mehrere Kilo abgenommen. Natürlich wusste ich, dass das Risiko hoch war. Nicht nur wegen des IS. Auch wegen der amerikanischen und syrischen Bombenangriffe. In Mosul kreisten über uns mehrfach tieffliegende US-Bomber. Unsere 'Wohnung' im syrischen Raqqa wurde während unseres Aufenthalts im irakischen Mosul von einer syrischen Bombe weitgehend zerstört. Wir mussten unsere letzte Nacht in Raqqa in einer ausgebombten, von Glassplittern übersäten Wohnung verbringen.

Doch ohne Risiko kommt man der Wahrheit nur schwer auf die Spur. Und ich brauchte nun einmal für ein geplantes Buch über den IS authentisches Material. Das aber gibt es nur vor Ort. Ich habe das bei all meinen Büchern so gemacht. Immer bin ich in die Krisenländer gereist. Außerdem hatte ich ja diese Sicherheitsgarantie des 'Kalifats'. Nur leider keine Garantie, dass sie echt war. Alle meine Freunde und Familienmitglieder haben ihre Echtheit bezweifelt und versucht, mich von der Reise abzuhalten. Ich höre in solchen Situationen immer auf meine innere Stimme.

Die Garantie war echt. Und der IS hat sich bei unserem Besuch in Mosul und Raqqa daran gehalten. Allerdings wurden wir meist vom Geheimdienst überwacht und mussten Mobiltelefone und Computer abgeben. Am Ende unserer Reise wurden ferner alle Bilder und Fotos kontrolliert. Von rund 800 Fotos wurden - u.a. zum Schutz der Angehörigen ausländischer Kämpfer - 9 Fotos gelöscht. Zensur nennt man das.

Es kam auch mehrfach zu scharfen und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen mir und dem IS über die Gestaltung der Reise. Es ist nicht ganz einfach mit schwer bewaffneten IS-Kämpfern zu streiten. Zweimal stand die Reise kurz vor dem Abbruch. Angesichts der täglichen Lebensgefahr für alle Beteiligten war die Behandlung zwar oft gereizt, insgesamt jedoch korrekt.

Hier meine 7 stärksten Eindrücke in Kurzform:

1.) DER WESTEN UNTERSCHÄTZT DIE DIMENSION DER IS-GEFAHR DRAMATISCH. Die IS-Kämpfer sind erheblich cleverer und gefährlicher, als unsere Politiker annehmen. Im 'Islamischen Staat' herrscht eine fast rauschartige Begeisterung und Siegeszuversicht, wie ich sie in Kriegsgebieten noch nicht erlebt habe. Die IS-Kämpfer sind überzeugt, mit ihrem totalitären Glauben und ihrer demonstrativen Brutalität Berge versetzen zu können. In Mosul haben weniger als 400 IS-Kämpfer 25.000 hochmodern ausgerüstete irakische Soldaten und Milizen in die Flucht geschlagen. Der IS hat in wenigen Monaten ein Staatsgebiet erobert, das größer ist als Großbritannien. Al Qaida ist daneben ein Zwerg.

Gelegentliche Geländeverluste oder -wechsel scheinen den IS wenig zu interessieren. Auch wenn sie im Augenblick von einigen Medien hochgespielt werden. Sie seien im Guerilla-Krieg normal.

2.) DER ZUSTROM NEUER KÄMPFER ZUM IS WÄCHST JEDEN TAG. Ich verbrachte zwei Tage in einem Aufnahme-Lager des IS nahe der türkischen Grenze. An beiden Tagen kamen jedes Mal über 50 Kämpfer aus aller Welt an. Nicht etwa nur junge Männer, die in ihren Heimatländern gescheitert waren. Auch viele erfolgreiche, euphorisch gestimmte junge Leute aus den USA, England, Schweden, Russland, Frankreich, Deutschland usw. Einer hatte erst vor wenigen Wochen sein juristisches Staatsexamen bestanden und war gerade als Anwalt bei Gericht zugelassen worden. Er aber wollte lieber im 'Islamischen Staat' kämpfen.

3.) DER 'ISLAMISCHE STAAT' SCHEINT - SOWEIT ICH DAS NACH 10 TAGEN BEURTEILEN KANN - WIE ANDERE TOTALITÄRE LÄNDER DER REGION ALS STAAT ZU FUNKTIONIEREN. Das gilt vor allem für den Bereich der inneren Sicherheit und den Bereich der Sozialfürsorge - auch wenn vieles nicht unseren westlichen und schon gar nicht meinen Vorstellungen entspricht. Zumindest die sunnitische Bevölkerung des irakischen Teils des 'Islamischen Staats' scheint den neuen Staat inzwischen widerstandslos hinzunehmen. Weil sie ihn der vorher herrschenden Diskriminierung und Unterdrückung durch das Maliki-Regime in Bagdad vorzieht. Allerdings leben in Mosul nach der Flucht aller Christen, Schiiten und Jesiden und unzähligen Hinrichtungen nur noch Sunniten.

4.) ZIEL DES IS IST NICHT NUR DIE EROBERUNG DES MITTLEREN OSTENS UND EINES TAGES DER ÜBRIGEN WELT, SONDERN DIE GRÖSSTE 'RELIGIÖSE SÄUBERUNG' IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT. Der IS will mit Ausnahme der sogenannten Buchreligionen - also des "IS-Islams", des Judentums und des Christentums - alle Nichtgläubigen und Abtrünnigen töten und ihre Frauen und Kinder versklaven. Alle Schiiten, Jesiden, Hindus, Atheisten und Polytheisten sollen sterben. Hunderte von Millionen Menschen sollen im Zuge dieser religiösen 'Reinigung' eliminiert werden.

Auch alle gemäßigten Muslime, die die Demokratie bejahen, sollen getötet werden. Weil sie damit aus der Sicht des IS menschliche Gesetze über die Gesetze Gottes stellen. Das gilt - nach einer erfolgreichen Eroberung - auch für die demokratisch gesinnten Muslime der westlichen Welt.

Die einzige Chance dieser 'Ungläubigen', dem Tod zu entrinnen, besteht in freiwilliger Reue und freiwilliger Umkehr zum 'wahren Islam'. Den angeblich nur der IS vertritt. Und das nur, solange ihre Länder nicht erobert sind.

Juden und Christen sollen als Buchreligionen toleriert werden, müssen aber eine fixe Schutzsteuer von einigen hundert Dollar pro Jahr zahlen. Muslime haben die Zakatsteuer zu zahlen, die bei wohlhabenden Muslimen höher, bei armen Muslimen niedriger sein kann.

Ich brauche nicht zu betonen, dass es in keinem dieser Punkte Übereinstimmung zwischen mir und dem IS gab. Und dass ich das unzählige Male sehr deutlich gemacht habe.

5.) AUS MEINER SICHT IST DER IS EINE 1-PROZENT-BEWEGUNG MIT DER WIRKUNG EINES NUKLEAREN TSUNAMIS. Der IS predigt einen Islam, den 99 Prozent der 1,6 Milliarden Muslime unserer Welt ablehnen. Für mich als Christen, der den Koran mehrfach gelesen hat, ist nicht nachvollziehbar, was die Lehren des IS mit dem Islam zu tun haben sollen. Ich habe bei der Lektüre des Koran vor allem einen barmherzigen Islam kennengelernt. 113 von 114 Suren beginnen mit den Worten: "Im Namen Allahs, des Allerbarmers und Barmherzigen". Von dieser Barmherzigkeit habe ich beim IS nichts verspürt.

6.) MIT BOMBEN UND RAKETEN IST DER IS NICHT ZU BESIEGEN. Die Drei-Millionenstadt Mosul beispielsweise wird von etwa 5.000 IS-Kämpfern beherrscht. Wer sie mit Bomben ausschalten will, muss ganz Mosul in Schutt und Asche legen und zigtausende Zivilisten töten. Bombardierungen waren und sind im Mittleren Osten stets Terrorzucht-Programme. Siehe IS! Auch er ist ein Kind von George W. Bushs völkerrechtswidrigem Irakkrieg.

NUR DIE GEMÄßIGTEN SUNNITISCHEN ARABER KÖNNEN DEN IS STOPPEN, NICHT DER WESTEN. So wie sie es 2007 schon einmal getan haben. Damals vertrieben sie den 'Islamischen Staat im Irak' (ISI), die Vorgänger-Organisation des IS. Doch der damalige ISI war viel schwächer als der heutige IS.

Die gemäßigten irakischen Sunniten würden sich dem IS allerdings nur entgegenstellen, wenn sie wieder voll in die irakische Gesellschaft integriert würden, aus der die Amerikaner und die schiitischen Iraker sie nach dem Angriffskrieg der USA auf den Irak 2003 vertrieben haben. Danach sieht es zur Zeit nicht aus. Dennoch ist dies die einzig denkbare Lösung, um den IS zu stoppen.

Auch in Syrien gibt es Lösungen. Allerdings müsste der Westen hierzu seine völlig unrealistische Lageeinschätzung korrigieren. Er hat sich in Syrien schlicht und ergreifend verrannt.

7.) IM WESTEN WIRD VIEL ÜBER EINE TERRORGEFAHR DURCH ZURÜCKGEKEHRTE IS-KÄMPFER SPEKULIERT. Auch ich kann und werde diese Gefahr nie ausschließen. Innerhalb des 'Islamischen Staates' gelten die Rückkehrer allerdings als Verlierer, "die das Leben im 'Islamischen Staat' nicht geschafft haben". Sie sind deshalb wohl nicht die Hauptgefahr, obwohl es in Brüssel einen Anschlag durch einen Rückkehrer gab. Eine größere Gefahr könnte eher von noch nicht ausgereisten IS-Sympathisanten ausgehen.

Niemand sollte in Deutschland Terrorgefahren verharmlosen. Aber man sollte sie auch nicht übertreiben. Immerhin ist in Deutschland noch nie ein Deutscher von Islamisten getötet worden. Aber viele deutsche Muslime durch deutsche Rechtsradikale. Gruppen wie Pegida stellen die Fakten in Deutschland auf den Kopf. Sie betreiben das Geschäft des IS, der großes Interesse an einer Eskalation zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland hat. Der IS hat mir das mehrfach bestätigt.

Aus meiner Sicht ist der IS zur Zeit die größte Bedrohung des Weltfriedens seit dem Kalten Krieg. Wir bezahlen jetzt den Preis für den an Torheit kaum zu überbietenden Überfall George W. Bushs auf den Irak. Der Westen steht dieser Bedrohung bisher konzeptionslos gegenüber.

Euer JT
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